Tagebuch zu Theaterproduktion

"Der Besuch der alten Dame"

Oktober - November 2006, Hanoi, Vietnam
(von Alexandra Krismer)

"Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürenmatt
Regie: Rudolph Straub
Bühne/Kostüm: Marion Hauer
Musik und musikalische Leitung: Pierre Oser
Planung der Produktion 2002
Realisierung trotz aller Schwierigkeiten Oktober 2006
Es spielen die SchauspielerInnen des Nationaltheaters Hanoi

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Donnerstag, 5. Oktober 2006

Pierre Oser, Marion Hauer und ich (Alexandra, Dokumentation und Ehefrau von Pierre) kommen in Hanoi an.
Rudolph Straub ist schon seit zwei Tagen hier. Das Regieteam ist komplett.
Erste gemeinsame Besprechung vor Ort beim Goethe Institutsleiter Franz Xaver Augustin.
Die Stimmung ist fröhlich, herzlich und freudig erregt.


Freitag, 6. Oktober 2006


Feierliche Übergabe der Produktion auf der großen Probebühne des Theaters durch den Kulturminister und vielen wichtigen Persönlichkeiten. Der Schweizer Botschafter hält den Teil seiner Rede auf Vietnamesisch. Rudolph Straub bittet jeden seiner Darsteller auf die Bühne, indem er ihre Namen (beinah fast immer J) korrekt aufruft und übergibt persönlich die Textbücher.


Samstag, 7. Oktober 2006


Übergabe der gemieteten Mopeds (ohne die man in dieser Stadt nur eingeschränkt mobil ist) an Ruedi und Pierre.

 

 

 

Mir bricht schlagartig der Schweiß aus. Marion, die mit Ruedi im selben Haus untergebracht ist, hält sich tapfer.



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Der Mango Shake im Gartenrestaurant des Goethe-Institut stärkt unsere Nerven und wird zum Lieblingsgetränk erkoren.


 

Sonntag, 8. Oktober 2006

Marion, Ruedi und Pierre besprechen genauestens die Details des Stückes auf der Terrasse eines Hotels direkt am See. Das seltsame Sandwich das schon sehnlichst erwartet wurde, kann die gute Stimmung nicht zerstören.

Montag, 9. Oktober 2006

8:30 Uhr Probenginn

Leseprobe mit (fast) allen beteiligten Darstellerinnen.

Ruedi stellt zunächst in französischer Sprache das Regie- Konzept vor, Phong (Probenassistent, Filmemacher in Hanoi) übersetzt.

Ich habe die Drehgenehmigung für meine geplante Filmdokumentation über diese Theaterarbeit bekommen. Während sich die einen Schauspieler kokett die Lesebrille abnehmen, sobald die Kamera sie erreicht, sind Andere eher scheu. Dennoch; mir fallen unterschiedliche Gewohnheiten sofort auf: Schauspielerinnen verstecken ihre Augen beim Lesen hinter Sonnenbrillen, es wird telefoniert und geredet, schnell mal zum Rauchen raus gegangen – was bei uns undenkbar wäre, ist hier alles selbstverständlich. Ruedi lässt sich nicht irritieren.

Pierre bekommt 12 Chorsänger der Nationaloper zugesagt, um sein Vorhaben realisieren zu können. Habe das Gefühl, dass die Darsteller sich sehr auf die Arbeit freuen.

14:30 Uhr Erste Stellprobe

Dienstag, 10.Oktober 2006

9:00 Uhr Probenbeginn

Ruedi und seine Künstler arbeiten fleißig, aber schon jetzt bestätigt sich, dass die Thematik des Stückes die Realität der Produktion eingeholt hat. Pierre versucht ein passendes Keyboard zu organisieren und Marion versucht endlichen den richtigen Ansprechpartner für Probenkostüme, Requisiten und Probebühne zu finden. Dies ist nicht einfach. Das System dieses Theaters hat einige Hierarchie – Hürden zu bieten, die es zu überwinden gilt, was für die Besorgung von vielen verschiedenen und zahlreichen Requisiten und Kostümen (über einhundert) heikel wird, denn Marion kann nichts selbstständig einkaufen. Es muss erlaubt werden, was es auch ohne Probleme wird, aber all das benötigt Zeit, von der es nicht allzu viel gibt.

Mittwoch, 11.Oktober 2006

9:00 Uhr Probenbeginn

Durchlauf der bisher gearbeiteten Szenen.

Ruedi möchte die Darstellung der Rollen noch stärker mit den Emotionen der Schauspieler füllen, und macht dazu eine Improvisation mit Ihnen. Das Ergebnis ist grandios und sehr hilfreich.

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Pierre bekommt ein Keyboard und einen eigenen Assistenten, Dinh Tuan Anh, der perfekt Deutsch spricht.


 

Marion ist sehr verzweifelt. Ihre ihr zugeteilte Assistentin ist erkrankt und wird für längere Zeit ausfallen.

Montag, 16.Oktober 2006

9:00 Uhr

Nach einem freien Wochenende, haben sich heute alle mit gutem Elan wieder zum Arbeiten getroffen. Gemeinsam mit dem Intendanten versucht Franz Xaver Augustin eine neue Assistenz für Marion zu finden und verständigt sich auf Herrn Bang.

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Mit ihm und dem Produktionsassistenten Herrn Do Ky, fahren Marion und ich ins Hong Ha – Theater um die Bühne auszumessen, während Ruedi mit den Akteuren probt.

14:00

Der Chor trifft ein. Mit Ebenfalls kommt ein Stimm – und Geräuschimmitator, der den Sängern Wald-, Tier- und Zuggeräusche beibringt. Ein wahres Stimmwunder! Zwei Lieder werden angeprobt und dann treffen sich Sänger und Ensemble auf der Bühne.

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Pierre und Ruedi versuchen das Chaos der ersten Begegnung von Musik und Schauspiel in eine funktionierende Szene zu verwandeln.

Ein guter Probentag.



Dienstag, 17.Oktober 2006


9:00

Marion wartet auf den Bühnentischler – vergebens. Wie Sie erfährt, bringt das Sägen von Holz an bestimmten Vormittagen im Monat Unglück…

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 Wir entdecken ein wunderbares Straßenrestaurant, wo es auch für Vegetarier etwas Gutes zu Essen gibt.

 


Mittwoch, 18.Oktober 2006


An den meisten großen deutschen Bühnen warten die Schauspieler, die nicht an der Szene beteiligt sind, außerhalb des Probenraumes. Wenn sie dennoch der Probe zuschauen wollen, dann verhalten sie sich sehr leise. Ich habe, als ich an einem sehr renommiertem Münchener Theater engagiert war, mir einmal erlaubt, ganz leise und vorsichtig, ganz hinten im Raum einen Apfel zu essen, während Kollegen am Probieren waren. Ich hatte solchen Unterzucker, wollte aber die unglaublich spannende Szene fertig anschauen. Mein zartes Apfelknabbern, während Anderen proben, führte zum Skandal. Eine Missachtung kreativer Arbeit! Ein Wunder, dass ich nicht zur Strafe beim Intendanten in der Ecke stehen musste…J Hier in Hanoi, ist das anders. Alle zur Probe bestellten Schauspieler sind im Probensaal anwesend (außer andere Geschäfte zwingen zum fernbleiben).

Es wird gegessen, gequatscht und telefoniert, es knistert und knastert, man steht auf, geht hinaus und dann wieder hinein, - und alles während auf der Bühne intensiv gearbeitet wird. Dazu noch eine sehr laute Klimaanlage, die den Raum auf minus 30 Grad (ich übertreibe maßlos) herunterkühlt. Selbst für Ruedis hartgesottene mitteleuropäische Nerven eine schwere Prüfung. Und weil er kein Choleriker ist, und das Ensemble ihn so schätzt, bemühen sich alle um mehr Ruhe, als in der ersten Woche. Das ist schön mitanzusehen.



Donnerstag, 19.Oktober 2006

Nach der Probe sind alle Mitwirkenden ins Goethe Institut, zu einem Vortrag von Franz Xaver Augustin über Friedrich Dürrenmatt eingeladen. Interessant und lehrreich für alle. Und damit nicht alles zu perfekt ist, hat bei der Präsentation eines Filmausschnittes die Technik versagt. Aber Franz Xaver bleibt hartnäckig und so kann die Aufzeichnung nach etlichen Minuten, doch noch zu Ende gezeigt werden.

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Montag, 23.Oktober 2006

Das Bühnenmodell wurde endlich vom Zoll freigegeben. Marion hatte es wegen der Größe per Luftfracht nach Vietnam schicken müssen. Nun bastelt sie daran am Wochenende, während Ruedi, Pierre und ich, einen traumhaften und sehr erholsamen Ausflug in die Ha Long Bucht unternehmen.

Das war auch wichtig, denn die Probe am Montag beginnt mit der Nachricht, dass das aktuell gespielte Ibsen-Stück vom Fernsehen aufgezeichnet wird und wir ab Dienstag 4 Tage lang nicht proben können.



Dienstag, 24.Oktober 2006

8:30 Uhr

Pierre und ich kommen am Probengebäude an und sehen auf der Galerie einen ziemlich aufgebrachten und verzweifelten Ruedi stehen. Der Strom ist abgeschaltet - bis 17:00 Uhr. Das ist Probenschlusszeit! Für Ruedi würde das einen weiteren entfallenen Probentag bedeuten. Marion ist ebenfalls fertig mit den Nerven; heute sollte ihr Bühnenmodell präsentiert werden. Also wird umdisponiert. Der Raum, in dem Pierre normalerweise mit den Sängern arbeitet, ist kleiner und hat mehr Licht. Dort soll nun Marion die Präsentation machen und anschließend geprobt werden.

Ein Raum ohne Klimaanlage ist für unsere Schauspieler eine Zumutung. Dennoch, alle kommen und bleiben sitzen, und somit kann Marion in Ruhe ihr Bühnenkonzept vorstellen. Unterdessen hat Franz Xaver Augustin einen Probenort MIT Klimatisierung im nahe gelegenen Französischen Institut organisiert, in den wir anschließend umziehen. Außerdem erfährt Ruedi, dass nun doch bis Donnerstag geprobt werden kann. Schön, wie sich so manche Dinge schnell lösen, wenn man nicht bei jeder schlechten Nachricht europäisch vor sich hin tobt.

 

Das ganze Team geht gemeinsam Mittag essen.
Das tut allen gut und ist schön.


14:30 Uhr Probe

Improvisation für „Claire“ und „Ill“


Mittwoch bis Freitag, 25. - 27.Oktober 2006

Mittwoch, Donnerstag und Freitag bespricht Ruedi mit jedem Einzelnen genauestens die darzustellende Figur. Ein Glücksfall für jeden Schauspieler, denn nicht jeder Regisseur nimmt sich dafür in diesem Probenstadium so viel Zeit.

Ruedi gab vor einigen Tagen der Zeitung Vietnam News ein Interview.

Während Marion, Ruedi, Pierre und ich in unserm Stammcafe neben der Oper genüsslich unseren „cafe vietnam sua da“ (wie wir immer bestellen und tatsächlich auch verstanden werden J) schlürfen, bringt zur großen Freude von Ruedi, die Journalistin, die das Interview führte, persönlich eine Ausgabe der Zeitung vorbei. Die Freude hält nicht lange an; im letzten Absatz steht, dass Ruedi seine Hauptdarstellerin nicht gut fände und sie nicht in der Lage sei, die Gefühle zu transportieren, die er will…. Ein Schock für uns alle, denn das ist keineswegs der Fall! Was für eine unangenehme Situation, für Ruedi, für seine Hauptdarstellerin, das Theater, das Ensemble und auch für uns.

Das Gespräch mit Journalisten birgt wohl überall auf der Welt das gleiche Risiko…

Mittwoch, 1.November 2006

9:00 Uhr

Marion, drei Ankleiderinnen, der Übersetzer und ich, machen uns auf den Weg ins Second Hand – Viertel, um Kostüme einzukaufen. Schon bald stellt sich heraus, dass diese Art und Weise Kostüme zu besorgen unüblich ist und nicht sehr gemocht wird.

                     

Die drei Frauen können (oder wollen?) nicht verstehen, warum die Schauspieler „so hässliche Kleider bekommen“ sollen, und sie bemühen sich vergebens kooperativ zu sein. Marion ist jedoch auf die Damen angewiesen, denn sie verfügen über das Geld vom Theater und müssen Preise aushandeln. Für ausländische Kunden steigt der Preis um das Vierfache.

 

Donnerstag, 2.November 2006

Ruedi beschließt seine Hauptdarstellerin auszuwechseln. Lan Huan ist eine wundervolle Schauspielerin, aber für diese Rolle, wie es scheint, von der Theaterleitung nicht gut besetzt. Ruedi muss sich entscheiden zwischen großen internen Unannehmlichkeiten, - denn hier sind Umbesetzungen nicht üblich, - oder einem Theaterabend, der nicht richtig funktioniert.
Heikle Besprechung mit der Theaterleitung und Franz Xaver Augustin. Alle sind traurig und schockiert, manche wütend und enttäuscht.
Pham Do Ky, unser Produktionsassistent und der Ehemann von Lan Huang befindet sich in einer – so finde ich – sehr schwierigen Position. Zwischen seiner geliebten Ehefrau und einer ausländisch geleiteten Theaterarbeit – wie wird er damit umgehen?

Freitag, 3.November 2006

Es ist beschlossene Sache; die Umbesetzung hat stattgefunden. Die Theaterleitung hat schnell reagiert.
Frau Thu Ha wird die Rolle übernehmen. Sie hat noch drei Wochen Zeit.
Das Ensemble reagiert gut und steht hinter Ruedi – trotz aller Unannehmlichkeiten. Jetzt arbeiten alle umso konzentrierter und mit viel Elan.

Montag, 6.November 2006

9:00 Probe

Pierre ist krank. Fieber und Halsschmerzen. Trotzdem probt er und wird von seinen Sängern wie bei jeder Probe, mit vietnamesischen Leckereien versorgt.

Thu Ha hat ihre erste Stellprobe und ist jetzt schon wunderbar in der Rolle.
Ruedis Mut wird doch noch belohnt – in diesem Fall zumindest.

Marion ist am Ende ihrer Nervenkraft. Nichts scheint mehr zu funktionieren.

Mittwoch, 8.November 2006

Ruedi hat’s nun auch erwischt. Auch er muss proben, und auch er wird liebevoll von seinen Schauspielern, oder genauer gesagt von seinen Schauspielerinnen mit Medizin, diversen Kräutern, mit Trost, Ratschlägen und kräftigenden Kopfmassagen versorgt.

19:30 Uhr

Einladung beim Botschafter der Schweiz, Herrn Benedict de Cerjat und seiner Gattin Sophie.
Ein sehr angenehmer Abend mit Vertretern der Produktion, der Wirtschaft und der Politik.


Freitag, 10. November 2006

Wie beschreibe ich am Besten die Probleme, die es in der Produktion und durch die verschiedenen Arbeits - und Lebensformen zwischen Mitteleuropäern und Vietnamesen gibt?

Jeder schiebt die Verantwortlichkeit einem Anderen zu und somit ist keiner dafür Zuständig. Schon längst besprochene wichtige Bauweisen und Informationen versickern im Nirgendwo. Das Resultat: die Bühne wird und wird einfach nicht gebaut, und der schon seit jeher geplante Umzug ins Hong Ha Theater kann somit nicht Termingerecht stattfinden.

Die Besorgung von Kostümteilen, erweist sich als so schwierig, dass Marion vor lauter Verzweiflung beinahe schon stoisch durch den Tag wankt. Es gibt wohl Mitarbeiterinnen denen das Konzept bzw. der Geschmack von Marion missfällt und die sich dadurch quer stellen und aus kleinsten Besorgungsaktionen, einen vier Stunden Termin werden lassen. Und wenn man, wie Marion, nicht die Veranlagung hat, auch mal konkret und sehr direkt und ohne Diskussion, die Dinge so einzufordern, wie man sie jetzt endlich haben will, ist man hier verloren.

Ein kleines Beispiel: Pierre benötigt eine Steckerleiste. Auf dem Hof spricht er den Techniker darauf an. Dieser signalisiert vollstes Verständnis und scheint sich auf den Weg zur Besorgung zu machen. Einige Stunden später die gleiche Begegnung und die Versicherung: “No Problem, I understand“!
Am nächsten Tag, immer noch keine Steckerleiste angekommen, wird Pierre klar, dass der gute Mann wirklich voller Verständnis für die Situation ist, sich sogar darüber freut, dass man ihn informiert, - und nun erwartungsvoll dem Befehl seines direkten Vorgesetzten entgegenblickt. Solange dieser nicht erteilt wurde, DARF der Techniker nämlich gar nicht aktiv werden, sondern würde sich durch Eigenmächtigkeit großen Ärger einhandeln. Ein Wort vom Chef genügt, und fünf Minuten später ist die Steckerleiste da.


Ich persönlich glaube nicht, an die Böswilligkeit all der Mitarbeiter. Ich denke, der entscheidende Unterschied ist, dass wir es gewohnt sind, dass nach Besprechungen, Dinge selbstverständlich gelöst und bearbeitet und ausgeführt werden, und man hier aber den Auftrag dazu präzise an jeden Einzelnen erteilen muss.

Und wenn man das bis zum letzten Mitglied der Bühnentechnik machen muss, wird man bis Ostern nicht mehr fertig.
Hinzu kommt noch, dass dadurch ein massiver Vertrauenseinbruch zwischen dem Regieteam und der Theaterleitung entstanden ist. Nicht gerade förderlich erweisen sich noch dazu so manche Informationen - die ich, wie Sie hoffentlich verstehen, hier nicht offen legen möchte – von Seiten der Leitung des Theaters, und somit muss Franz Xaver Augustin ein paar sehr gefinkelte Schachzüge aus dem Ärmel zaubern, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Aber das Wunderbare am Theater ist, dass am Ende, jeder einzelne Beteiligte weiß, dass man im selben Boot sitzt und man gemeinsam rudern muss, und so treffen sich jetzt täglich alle Führungsglieder zusammen, um detailliertest den Tag zu besprechen.


Donnerstag, 16. November 2006

 

Die Bühne steht im Hong Ha Theater am Abend fast fertig, aber auf jeden Fall bespielbar. Nach dem Ruedi mit Hilfe von Franz Xaver Augustin vor allen Schauspielern und Theaterleitung, dringlich darauf hingewiesen hat, dass er endlich eine Möglichkeit braucht, um ein schönes Licht gestalten zu können, wie das in Europa üblich ist (die Beleuchtungsproben verschlucken viele Stunden, die Ruedi jetzt langsam nicht mehr zur Verfügung hat) begann der erste Durchlauf mit Kostümen, oder zumindest Teilen davon.

 

Samstag, 18. November 2006

9:00 Uhr

Durchlauf mit Kostüm.

Ich habe hinter der Bühne und seitlich auf die Bühne gefilmt für meinen Dokumentarfilm und bin voller tiefster Hochachtung für alle Darsteller und Sänger.

Nun weiß ich nur zu gut aus eigener, langer und professioneller Erfahrung wie es hinter der Bühne zugeht. Wie es hektisch wird und manchmal auch eng für alle Nerven eine Woche vor der Premiere. Der Regisseur weiß, dass ihm nur noch eine Woche bleibt, um noch das Beste herauszuholen, um seine Vorstellungen lebendig werden zu lassen – da geht auch beim ruhigsten Charakter mal das Temperament durch, von den ohnehin nicht Ruhigen, will ich hier gar nicht erst anfangen… - die Schauspieler und Sänger wissen, dass Ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt, um Ihre Kunst so darzustellen, wie sie es gerne möchten, die Kostümbildnerin weiß, dass eine Woche zu wenig sein könnte, für eine perfekte Ausführung Ihres Planes (das ist zumindest bei Marion der Fall, die am Rande Ihrer Nerven steht) und der Musiker, Pierre – ist in diesem Falle, eigentlich mehr oder weniger sehr ruhig, versucht mit den organisatorischen Gegebenheiten umzugehen, und übt so viel wie es der Probenplan erlaubt, mit seinen Sängern.


 

 

 

 

 

Dann gibt es Rundherum viele Dinge, die so kompliziert sind, dass sie diese Situationen nicht gerade lindern – im Gegenteil. Kurz gesagt, eine Woche vor der Premiere ist für jeden einzelnen Beteiligten eine massive Belastung. Und unter dieser Belastung, sehe ich die Schauspieler und Sänger hinter der Bühne und auf der Bühne, so intensiv MITEINANDER agieren, ich sehe ganz nah, tief empfundene Gefühle beim spielen, dass mir die Tränen kommen und ich Gänsehaut bekomme, und ich sehe die wahnsinnige Entwicklung, die geschehen ist, von der ersten Probe bis jetzt. Das was sie leisten ist grandios, und ob das von außen Kommende sehen oder nicht, spielt keine Rolle, denn die Erfahrung und Leistung kann Ihnen keiner nehmen – ich hoffe, das wissen auch Darsteller der Mimik und des Gesanges.

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